English : Birth and raising in "Tollhaus"

Geburt- und Aufzucht im Tollhaus

Geburt:

Wenn wir einen Irish - Wolfhound oder einen Barsoi Wurf erwarten, stellen wir Tage vor dem errechneten Geburtstermin in unserem Wohnzimmer die Wurfkiste auf. Die Hündin hat somit ausreichend Gelegenheit sich mit dem Geburtsplatz vertraut zu machen. Wenn alles gut geht, merken wir am Verhalten der Hündin das der Geburtstermin da ist. Sie ist unruhig und sucht einen geeigneten Platz zum werfen. Wir führen sie dann vorsichtig zur Wurfkiste, welche dann auch dankbar angenommen wird. Während des Geburtsvorganges werden die anderen Hunde (bei uns sind es 12 )aus dem Zimmer verbannt.

Nun beginnt eine lange Wartezeit. Wir sind ab jetzt ständig bei der Hündin und haben sie im Auge. Die Hündin hechelt jetzt ununterbrochen und die Wehen durchziehen in unregelmäßigen Abständen ihren Körper. Nach ca. ein bis zwei Stunden kommt dann die erste Presswehe, mit der meist der erste Welpe geboren wird. Falls der Welpe noch von der Fruchtblase umhüllt ist, helfen wir diese aufzureißen und durchtrennen mit den Fingern die Nabelschnur. Bei jungen und unerfahrenen Hündinnen durchtrennen wir die Nabelschnur meist selbst, da es durch grobes und unkontrolliertes Zerren der Hündin an der Nabelschnur leicht zum Nabelbruch kommen kann. Sofort nach der Geburt fängt die Mutter an ihr Junges zu putzen und zu lecken.

Kündigt sich der nächste Geburtsvorgang an, was je nach Hündin zwischen 10 Minuten und fünf Stunden dauern kann, legen wir den bereits geborenen Welpen in einen vorbereiteten Korb mit Wärmeflasche und Handtücher, der direkt neben der Hündin in der Wurfkiste steht. Vorher wird allerdings das Geburtsgewicht, die Zeit und das Geschlecht in einem Wurfbuch notiert. In diesem Wurfbuch werden die Gewichtsveränderungen jeden Tag eingetragen. So wird mit jedem neugeborenen Welpen verfahren. Durch das Aufbewahren der Welpen im Korb wird die Gefahr des Totdrückens ausgeschlossen und gleichzeitig ist der Kontakt der Hündin zu ihren Jungen gewährleistet. Eine Geburt kann sich bis zu 48 Stunden hinziehen.

Wenn wir denken, dass alle Welpen geboren sind, fahren wir mit Welpen und Hündin zum Tierarzt. Dort wird die Hündin geröntgt, um auszuschließen, das ein Welpe im Bauchraum geblieben ist. Dann werden die Welpen auch gleich ihrem ersten Gesundheitscheck unterzogen.Während wir beim Tierarzt sind, legen unsere Kinder - die übrigens bei jeder Geburt dabei sind - die Wurfkiste mit sauberen, frischen Tüchern aus. Sobald wir wieder zu Hause sind, legen wir die ganze Rasselbande noch einmal an die "Milchbar" der Mutter an - dann kehrt erst einmal für die nächsten drei Stunden Ruhe ein.

Aufzucht : Phase I.

Die ersten Woche schlafen die Welpen in ihrem Korb in der Wurfkiste bei der Mutter, so das diese ihre Welpen lecken und beriechen kann - aber für die Jungen nicht die Gefahr des Totdrückens besteht.Für meinen Mann und mich bedeutet das, zwei Wochen lang alle drei Stunden - auch nachts! - aufstehen und die Welpen an die Milchleiste der Mutter anzulegen. Da meistens nur sechs Zitzen ausreichend Milch abgeben, heißt dass, das bei einem Zehner - Wurf jeweils bei vier Welpen im Wechsel zugefüttert werden muss. Nach 14 Tagen können wir dann endlich wieder durchschlafen. Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre dieser "Fulltimejob" kaum zu schaffen.

Zwei bis drei Tage nach der Geburt gestattet die Hündin auch den restlichen Rudelmitgliedern den Nachwuchs zu begutachten. Jedes mal wieder ist es faszinierend zu sehen, wie vorsichtig sich die anderen Hunde der Wurfkiste nähern. Vor allem die Rüden beschnüffeln und belecken die Welpen - die anderen Hündinnen sind zurückhaltender.  Zu Anfangt beäugt die Mutter die Fürsorge der anderen Rudelmitglieder etwas skeptisch. Sie beruhigt sich aber meist sehr schnell und genießt die Aufmerksamkeiten, speziell der Rüden. Diese putzen und pflegen nicht nur die Welpen mit Hingabe, sondern auch die Mutter!   

So liebevoll umsorgt wachsen die Welpen bis zur vierten Woche bei uns im Wohnzimmer heran. Anschließend ziehen sie in das "Hundezimmer" um, welches direkt an das Wohnzimmer anschließt. Dieser Umzug ist notwendig, da sie jetzt sie Wände der Wurfkiste ohne Hilfe übersteigen können und das Wohnzimmer ohne Aufsicht - sprich: nachts - in ein Schlachtfeld verwandeln würden.

Tagsüber haben die Welpen Zugang zu allen Wohnbereichen. Sie leben mit uns, und Hunden unterschiedlicher Rassen und Größen, zusammen im Haus. Hierdurch werden sie sozialisiert und mit den unterschiedlichen Tolleranzschwellen der anderen Rudelmitglieder konfrontiert. Dieses Zusammenleben ermöglicht es den Welpen sich die Verhaltensweisen der erwachsenen Hunde - wie z.B. sich Draußen zu lösen - abzugucken. Die zukünftigen Besitzerdürfen ab der ersten Woche bei der Aufzucht der Welpen zuschauen. Dieses hat den Vorteil, dass wir den neuen Besitzer besser kennen lernen und ihn nebenbei Kenntnisse über die weitere Aufzucht und den Umgang mit ihrem zukünftigen Familienmitglied vermitteln können. Aus diesem Kontakt entwickelt sich nicht selten eine andauernde Freundschaft.

Anfang der neunten Woche dürfen die neuen Besitzer ihre Welpen abholen. Da die erste Sozialisierung beim Welpen in der Regel bis zur zwölfen Woche geht, haben die neuen "Hundeeltern" so die Möglichkeit, den Hund auf ihre eigenen Bedürfnisse zu prägen. Da die Hunde während dieser Zeit allem Neuen noch sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, fällt ihnen die Ablösung von der Mutter und den restlichen Rudel nicht so schwer - sie fügen sich in den neuen Haushalt einfacher ein.

Aufzucht : Phase II

Alle neuen Besitzer bekommen von uns eine detaillierte Anleitung zur weiteren Aufzucht der Welpen mit, da gerade bei diesen großen Rassen Fehler während der folgenden Monate schwere Auswirkungen haben können. Möchten sie einen körperlichengesunden und HD - freien Hund haben, so heißt das Zauberwort : Zeit, Zeit und nochmals Zeit. Geben Sie ihrem Hund ZEIT sich zu entwickeln!

Das heißt : KEINE! Spaziergänge bis zum sechsten Monat ! Die Welpenknochen (das gilt übrigens für alle Hunderassen ) sind bis zum zehnten Monat ganz weich und ohne Festigkeit, wie bei einem Säugling.

Die Wachstumsfugen zwischen den Gelenken schließen sich erst mit cirka zehn Monaten. Wenn Sie also den Welpen in dieser Zeit überanstrengen, verformen sich die Knochen - es kann zu Deformationen kommen.

Da die vererbte HD durch Voruntersuchungen der Elterntiere ausgeschlossen werden kann, kann es nun durch Aufzuchtfehler zur so genannten "anerzogenen" HD kommen. Bei einem Spaziergang ist die Angst, zurückgelassen zu werden, so groß, dass der Welpe lieber seine Erschöpfung ignoriert, als den Anschluss an sie zu verlieren.Natürlich muss sich ein junger Hund auch bewegen - zur Entwicklung der Muskeln, Sehnen und Bänder. Toben im Garten ist erlaubt, denn hier kann der Welpe selbst entscheiden wann er Pause machen möchte.

Und darf auf eine gute Sozialisierung im Welpenalter auch nicht verzichtet werden. Falls man die Möglichkeit hat, sollte man mit dem Welpen eine Welpenschule besuchen, und dem Hund die Möglichkeit geben mit anderen Hunden in seinem Alter zu spielen.Auch wir als Züchter besuchen mit unseren Hunden die Welpenschule und führen sie teilweise bis zur Begleithundeprüfung. Vom ersten Tage an laufen alle unsere Hunde ohne Leine - dafür ist eine konsequente Erziehung unabdingbar.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ernährung speziell großwüchsiger, schwerer Hunde. Gerade hier ist "das Beste für den Hund" oft zuviel des Guten. Speziell die hochwertigen Futtersorten sind nicht geeignet große Hunderassen optimal aufzuziehen. Diese Futtersorten bewirken ein zu schnelles Knochenwachstum ohne das die Knochen die erforderliche Knochendichte erreichen. Je langsamer ein Welpe seine Endgröße bekommt, um so stabiler werden Knochen und Knochengerüst. Da die Endgröße genetisch festgelegt ist, kann man auch durch besonders hochwertiges oder speziell angereicherte Futtersorten diese nicht ändern!!!

Das heutige Welpenfutter ist so konzipiert, dass Zusätze zum Futter, wie zum Beispiel Kalk, absolut unnötig, wenn nicht schädlich sind.

Ab dem siebten Monat, fängt man langsam an mit dem Hund kleine Spaziergänge zu machen. Der Hund befindet sich nach wie vor im Wachstum, wenn das Endmaß auch schon fast erreicht ist.

Ab dem 10 Monat dürfen Sie mit ihm längere Ausflüge machen. Fahrradfahren dagegen erst mit 18 Monaten! Dann erst haben die Knochen ihre ganze Festigkeit erreicht und sind voll belastbar. Hat sich der Besitzer an diese, auch von Fachleuten empfohlenen Vorgaben gehalten, kann er damit rechnen, einen gesunden, belastbaren und gut sozialisierten Hund die nächsten Jahre sein Eigen zu nennen.

Unsere Erfahrungen beruhen auf 27 -  jährigem Zusammenleben mit speziell großen Hunden, sowie ständiger Weiterbildung durch Literatur und Gespräche mit Fachleuten.

Seit 1995 züchten wir selbst und hatten bis jetzt  12 Würfe mit 86 Welpen. Der Erfolg unsere Hunde bestätigt uns in unserem Zuchtziel - gesunde, wesensfeste und gut sozialisiere, sowie typvolle Barsois zu züchten.

Erschienen ist dieser Bericht im "Unser Windhund"August  2001

Geschrieben worden ist er von Brigitte Döring und überarbeitet von meiner Schwester Barbara Hildebrandt.

 

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